Home Exchange mit Kindern: Warum wir unser Zuhause gegen Urlaub tauschen
Unser Familienurlaub kostet uns manchmal keine Unterkunft. Dafür schlafen Fremde in unserem Bett.
Klingt nach einem ziemlich schlechten Deal?
Für uns ist Home Exchange mit Kindern inzwischen eine unserer liebsten Arten, als Familie zu reisen.
Wir nutzen Home Exchange mit Kindern: Eine andere Familie wohnt während ihres Urlaubs in unserer Wohnung und wir dafür bei jemand anderem. Manchmal direkt gegenseitig. Manchmal zeitversetzt.
Das bedeutet: keine klassische Ferienwohnung, kein Hotelzimmer und meistens deutlich weniger Unterkunftskosten.
Dafür braucht es etwas anderes:
Vertrauen.
Und spätestens bei diesem Wort kommen meistens die Fragen.
„Da wohnen wirklich fremde Menschen bei euch?“
Ja.
„Die schlafen in eurem Bett?“
Auch das.
„Und eure Sachen sind alle dort?“
No na. Wir ziehen ja nicht vor jedem Urlaub aus. 😄
Aber von vorne.
Was ist Home Exchange überhaupt?
Die Grundidee ist ziemlich einfach: Menschen stellen anderen Mitgliedern ihr Zuhause zur Verfügung und können dafür selbst in den Wohnungen oder Häusern anderer Mitglieder übernachten.
Dabei muss nicht zwangsläufig Familie A genau dann zu Familie B fahren, während Familie B bei Familie A wohnt.
Neben dem klassischen gegenseitigen Tausch gibt es bei HomeExchange ein Punktesystem. Für einen Aufenthalt werden sogenannte GuestPoints verwendet. Wer selbst Gäste aufnimmt, kann wiederum Punkte sammeln und diese für eine andere Reise einsetzen.
Bei HomeExchange gibt es dabei zwei grundlegende Varianten: den gegenseitigen Tausch – gleichzeitig oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten – und den nicht-gegenseitigen Tausch über GuestPoints. Wer Gäste aufnimmt, kann GuestPoints erhalten und diese später für einen Aufenthalt bei einem anderen Mitglied einsetzen. Dadurch müssen zwei Familien weder dasselbe Reiseziel wollen noch exakt zur selben Zeit verreisen.
Das macht das Ganze für Familien ziemlich flexibel.
Denn fünf Menschen, Kindergarten, Arbeit, Ferienzeiten und die Termine zweier Familien gleichzeitig unter einen Hut zu bekommen, wäre sonst vermutlich komplizierter als die Reise selbst.
Warum Home Exchange mit Kindern für uns so gut funktioniert
Hotelzimmer haben mit drei kleinen Kindern einen entscheidenden Nachteil:
Es sind Hotelzimmer.
Das kann für ein Wochenende wunderbar funktionieren.
Aber sobald wir länger unterwegs sind, schätzen wir etwas anderes viel mehr:
eine Küche.
einen Kühlschrank.
eine Waschmaschine.
mehrere Räume.
einen Tisch, an dem wirklich gegessen werden kann.
und im besten Fall Spielzeug, Kinderbücher oder einen Spielplatz ums Eck.
Vor allem beim Tausch mit anderen Familien kommen wir häufig in Wohnungen, die bereits für das Leben mit Kindern gemacht sind.
Wir müssen nicht erst überlegen, wo ein Kind sitzen kann oder ob überhaupt ein Hochstuhl vorhanden ist.
Wir wohnen.
Und genau dieses Gefühl gefällt mir.
Wir sind nicht nur Gäste an einem Urlaubsort. Wir leben dort für ein paar Tage.
Reisen wird plötzlich weniger konsumorientiert
Das ist vielleicht der Teil, der am stärksten zu unserer Familie passt.
Wir versuchen auch zuhause, nach dem Prinzip Zeit statt Zeug zu leben.
Und beim Reisen ist es ähnlich.
Ganz kostenlos ist Home Exchange übrigens nicht. Die Plattform funktioniert über eine jährliche Mitgliedschaft. Innerhalb dieser Mitgliedschaft können Tausche organisiert werden; die Unterkunft selbst wird dabei nicht wie bei einer klassischen Ferienwohnung pro Nacht bezahlt. Preise und Leistungen können sich natürlich ändern, deshalb verlinke ich euch unten den aktuellen Stand direkt bei HomeExchange.
Aber die klassische Rechnung
größere Familie = größeres Hotelzimmer = deutlich teurerer Urlaub
verändert sich.
Gerade mit mehreren Kindern wird Unterkunft schnell zu einem großen Kostenblock.
Beim Wohnungstausch nutzen wir dagegen etwas, das ohnehin vorhanden ist.
Unser Zuhause steht leer, während wir unterwegs sind. Das Zuhause einer anderen Familie steht leer, während sie unterwegs ist.
Warum also nicht tauschen?
Aber da wohnen Fremde in unserem Zuhause!
Ja.
Und ich verstehe vollkommen, wenn sich das beim ersten Mal seltsam anfühlt.
Unsere Wohnung ist schließlich kein anonymes Ferienapartment.
Da stehen unsere Bücher.
Da hängen unsere Bilder.
Da liegen unsere Sachen.
Da leben unsere Kinder.
Genau deshalb basiert Home Exchange auf etwas, das sich nicht über einen Buchungsbutton vollständig absichern lässt:
gegenseitigem Vertrauen.
Wir schauen uns Profile an, lesen Bewertungen und schreiben miteinander. Vor einem Tausch klären wir die Dinge, die uns wichtig sind.
Und irgendwann passiert etwas Interessantes:
Aus „Fremde wohnen in unserer Wohnung“ wird:
Eine andere Familie lebt für ein paar Tage bei uns.
Das fühlt sich für mich mittlerweile völlig anders an.
Muss ich vorher meine halbe Wohnung wegräumen?
Nein.
Zumindest machen wir das nicht.
Natürlich räumen wir auf. Wir schaffen Platz für Kleidung und persönliche Dinge unserer Gäste. Wertvolles oder sehr Privates würden wir nicht offen herumliegen lassen.
Aber unser Zuhause darf weiterhin wie unser Zuhause aussehen.
Das ist schließlich ein Teil des Prinzips.
Unsere Gäste kommen nicht in eine sterile Ferienwohnung.
Sie kommen zu uns.
Und wir erleben auf unseren Reisen dasselbe.
Da steht vielleicht noch das Müsli im Schrank. Kinderzeichnungen hängen am Kühlschrank. Bücher stehen im Regal.
Genau das macht für mich den Charme aus.
Mit Kindern ist die Vorbereitung etwas anders
Mit kleinen Kindern schauen wir bei einem möglichen Tausch natürlich auf andere Dinge als früher bei einer Städtereise zu zweit.
Wie ist die Schlafsituation?
Gibt es gefährliche Treppen?
Wie weit ist es zum nächsten Spielplatz?
Gibt es eine Waschmaschine?
Können wir kochen?
Wie kommen wir ohne komplizierte Transfers hin?
Und vor allem:
Passt die Wohnung zu unserem tatsächlichen Familienalltag?
Ein spektakuläres Designer-Loft kann auf Bildern großartig aussehen.
Mit drei kleinen Kindern kann eine unspektakuläre Familienwohnung fünf Minuten vom Spielplatz entfernt trotzdem die deutlich bessere Wahl sein.
Und was passiert mit Haustieren?
Auch das kann Teil eines Tauschs sein.
Bei uns gehören beispielsweise unsere Kaninchen zum Zuhause dazu.
Deshalb muss vor einem Aufenthalt ganz klar besprochen werden, ob und welche Versorgung notwendig ist und ob sich die Gäste damit wohlfühlen.
Das ist kein Detail, das man nach der Buchung irgendwann nebenbei erwähnt.
Generell gilt für mich:
Je klarer vorher kommuniziert wird, desto entspannter ist der Tausch.
Haustiere. Schlafplätze. Schlüssel. Müll. Pflanzen. WLAN. Besonderheiten der Wohnung.
Lieber einmal zu viel erklären als einmal zu wenig.
Home Exchange ist nicht automatisch perfekt
So begeistert ich davon bin: Ich würde Home Exchange nicht romantisieren.
Auch beim Wohnungstausch kann etwas schiefgehen.
Eine Wohnung kann anders wirken als auf den Fotos. Erwartungen können unterschiedlich sein. Menschen haben verschiedene Vorstellungen davon, was sauber oder ordentlich bedeutet.
Ganz auf Vertrauen allein basiert das System allerdings nicht. HomeExchange beschreibt für Mitglieder Schutzmechanismen etwa bei Stornierungen, einer erheblich von der Beschreibung abweichenden Unterkunft und bestimmten Schäden bzw. Vorfällen. Die konkreten Bedingungen und Grenzen sollte man sich vor einem Tausch trotzdem selbst ansehen – eine Garantie ersetzt für mich nicht die klare Kommunikation mit der anderen Familie.
Wer erwartet, dass sich eine fremde Familie exakt so im eigenen Zuhause bewegt wie man selbst, wird vermutlich wenig Freude daran haben.
Man gibt ein Stück Kontrolle ab.
Für mich ist das der Preis für diese Art zu reisen.
Nicht in Euro.
Sondern im Kopf.
Für wen Home Exchange eher nichts ist
Wenn allein der Gedanke, dass jemand anderes das eigene Geschirr verwendet, inneren Stress auslöst, würde ich mich nicht dazu überreden lassen.
Auch wer sein Zuhause vor jeder Reise komplett neutralisieren möchte, wird vermutlich mehr Arbeit als Freude damit haben.
Home Exchange lebt davon, dass Menschen bereit sind, ihr echtes Zuhause zu teilen.
Das muss man mögen.
Und man darf auch einfach sagen:
Nein, möchte ich nicht.
Unsere wichtigste Erkenntnis
Bevor wir damit angefangen haben, dachte ich beim Reisen hauptsächlich in Unterkünften.
Hotel. Ferienwohnung. Bauernhof.
Heute denke ich häufiger in Zuhause.
Wo könnten wir als Familie für eine Weile leben?
Das verändert auch die Reise selbst.
Wir müssen nicht jeden Tag Programm machen, damit sich der Urlaub „auszahlt“.
Wir können morgens frühstücken, auf einen Spielplatz gehen, einkaufen, kochen und irgendwann wieder nach Hause kommen.
Nur dass Zuhause für ein paar Tage woanders ist.
Und vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum Home Exchange mit Kindern für uns funktioniert:
Wir versuchen nicht, unserem Familienalltag im Urlaub zu entkommen.
Wir nehmen ihn einfach mit.
Unsere Tipps für den ersten Home Exchange mit Kindern
Wenn ihr es ausprobieren wollt, würde ich beim ersten Tausch nicht gleich vier Wochen am anderen Ende der Welt beginnen. Eine überschaubare Reise nimmt viel Druck heraus.
Vor allem würde ich auf fünf Dinge achten:
- Profile und Bewertungen lesen: Nicht nur schöne Fotos anschauen. Mich interessiert, wie andere Gäste ihren Aufenthalt erlebt haben.
- Erwartungen vorher besprechen: Schlafplätze, Reinigung, Ankunft, Abreise, Haustiere und Besonderheiten der Wohnung gehören vorab geklärt.
- Nicht die perfekte Unterkunft suchen: Mit Kindern sind Waschmaschine, Küche und Spielplatz manchmal mehr wert als Meerblick.
- Platz für Gäste schaffen: Niemand erwartet eine leere Wohnung. Ein freies Fach und etwas Stauraum machen den Aufenthalt aber angenehmer.
- Vertrauen langsam aufbauen: Wer beim ersten Mal ein mulmiges Gefühl hat, ist nicht automatisch ungeeignet für Home Exchange. Für uns wurde es mit jeder Erfahrung normaler.
Zuhause ist manchmal woanders
Vielleicht ist das für mich die schönste Seite dieser Art zu reisen.
Unsere Kinder erleben, dass Zuhause nicht zwingend das Gebäude ist, in dem die eigenen Möbel stehen.
Für ein paar Tage kann es eine Wohnung am Meer sein.
Ein Haus irgendwo am Land.
Oder ein Kinderzimmer, in dem plötzlich völlig anderes Spielzeug liegt.
Dann fahren wir wieder heim.
Andere Menschen ziehen für ein paar Tage bei uns ein.
Und aus Wohnungen werden Orte, die miteinander geteilt werden.
Zeit statt Zeug funktioniert eben auch beim Reisen.
HomeExchange selbst ausprobieren?
Wir nutzen HomeExchange selbst für unsere Familienreisen und haben damit inzwischen einige Erfahrungen gesammelt.
Wenn du HomeExchange ausprobieren möchtest, kannst du dich über unseren persönlichen Einladungslink anmelden. Bei einem Beitritt bekommen sowohl du als auch wir jeweils 250 GuestPoints gutgeschrieben.
→ HomeExchange mit 250 GuestPoints kennenlernen
Transparenz: Das ist unser persönlicher Empfehlungslink. Wenn du darüber HomeExchange beitrittst, erhalten du und wir jeweils 250 GuestPoints. Für dich entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten zur Jahresgebühr.
PapaKann
Ich bin Christopher, Papa von drei Kindern und Gründer von PapaKann.
Unter Unterwegs schreibe ich über Familienreisen, Home Exchange, Bahnreisen und Ausflüge – mit möglichst wenig Perfektionsanspruch und möglichst viel echtem Familienleben.
Papa. Fürs Leben da.
Transparenz: Wir nutzen HomeExchange selbst für unsere Familienreisen. Ich bin außerdem HomeExchange Ambassador. Dieser Artikel basiert auf unseren eigenen Erfahrungen; die inhaltliche Einschätzung ist meine eigene.
Quellen & Weiterlesen
HomeExchange: Wie funktioniert HomeExchange?
HomeExchange: Wie funktionieren GuestPoints?
HomeExchange: Mitgliedschaft, Tausche und Garantien
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