Vater und Kind schauen bei einer Nachtzugreise nach Italien aus dem Zugfenster aufs Meer

Nachtzug mit Kindern: Warum wir lieber im Zug schlafen als zum Flughafen fahren

Nachtzug mit Kindern haben wir inzwischen auf zwei Strecken ausprobiert: von Wien nach Berlin und von Wien nach La Spezia. Mit Baby und Kleinkindern, Gepäck, Jause und allem, was Familien eben so durch die Nacht schleppen. Hier sind unsere Erfahrungen, inklusive der Dinge, die richtig gut funktionieren und jener, die uns ziemlich nerven.

Drei kleine Kinder über Nacht in einen Zug stecken.

Klingt für manche nach Abenteuer.

Für andere nach einer ausgesprochen schlechten Idee.

Wir haben es ausprobiert.

Wien–La Spezia.
Wien–Berlin.

Und würden es wieder tun.

Denn während andere noch darüber diskutieren, wie man Kinder am besten zehn Stunden beschäftigt, verfolgen wir eine andere Strategie:

Wir lassen sie einen möglichst großen Teil der Reise verschlafen.

Zumindest ist das der Plan.

Kinder und Pläne – wir kennen das.

Mit Kindern beginnt die Reise nicht erst am Ziel

Seit wir Kinder haben, reisen wir anders.

Langsamer.

Mit weniger Programm.

Und mit deutlich mehr Proviant.

Das habe ich schon in „Mit Kindern kannst du nicht mehr reisen wie früher. Gut so.“ beschrieben.

Der Nachtzug passt ziemlich gut zu dieser Art des Reisens.

Wir steigen abends ein.

Richten unser kleines Zuhause für die Nacht ein.

Zähne putzen.

Pyjama an.

Geschichte.

Kuscheln.

Schlafen.

Und am nächsten Morgen zieht ein Kind den Vorhang auf und draußen sieht die Welt plötzlich anders aus.

Das ist für mich einer der schönsten Momente beim Reisen mit Kindern.

Nachtzug mit Kindern: Wien–La Spezia

Unsere längere Nachtzugreise führte uns von Wien nach La Spezia.

Allein dieser Satz gefällt mir:

Abends in Wien einsteigen. Morgens in Italien aufwachen.

Natürlich ist die Realität etwas weniger romantisch.

Bevor fünf Menschen in einem Nachtzugabteil schlafen, müssen fünf Menschen mitsamt Gepäck dort einmal hineinpassen.

Das ist Tetris für Fortgeschrittene.

Dann müssen Kinder davon überzeugt werden, dass die kleinen Betten tatsächlich Betten sind.

Was meistens ziemlich einfach ist.

Schwieriger ist eher die Erkenntnis:

Ein Nachtzugabteil ist für Kinder kein Schlafplatz. Es ist zunächst ein Abenteuerspielplatz mit Betten an den Wänden.

Oben schlafen?

Unten schlafen?

Leiter rauf.

Leiter runter.

Vorhang auf.

Vorhang zu.

„Papa, wo sind wir jetzt?“

Wir sind seit sieben Minuten unterwegs.

Wien–Berlin mit dem Nightjet

Auch Wien–Berlin haben wir über Nacht gemacht.

Und genau bei solchen Verbindungen verstehe ich den Reiz des Nachtzuges besonders.

Wir müssen keinen kompletten Tag nur für die Anreise reservieren.

Am Abend beginnt die Reise.

Am nächsten Morgen sind wir da.

Natürlich ersetzt eine Nacht im Zug kein Hotelbett.

Wer erwartet, nach acht Stunden Nightjet erholter aufzuwachen als nach einem Wellnesswochenende, könnte enttäuscht werden.

Aber wir sind angekommen.

Mitten in der Stadt.

Und die Kinder haben einen erheblichen Teil der Strecke geschlafen.

Das reicht mir als Erfolgskriterium vollkommen.

Familienabteil im Nightjet: Für uns fast unverzichtbar

Mit kleinen Kindern würde ich persönlich nicht darauf setzen, einzelne Liegen in einem geteilten Abteil zu buchen.

Nicht weil Kinder dort nichts verloren hätten.

Sondern weil ich nachts gerne nur unsere eigenen Schlafgeräusche verantworten möchte.

Die ÖBB bietet im Liegewagen Privatabteile für Familien an. Je nach Wagen gibt es klassische Abteile mit vier bis sechs Liegen beziehungsweise modernisierte Comfort-Abteile mit bis zu vier Plätzen. In einem klassischen Privatabteil können laut Nightjet bis zu sechs Personen reisen, davon maximal fünf Kinder bis 14 Jahre. Nightjet

Für eine Familie ist das für mich ein wesentlicher Unterschied.

Tür zu.

Familie drin.

Chaos ebenfalls drin.

Alle anderen draußen.

Perfekt.

Liegewagen oder Schlafwagen mit Kindern?

Hier lohnt es sich, die Begriffe auseinanderzuhalten.

Der Liegewagen ist die pragmatischere Variante. Bettzeug ist vorhanden, Wasch- und Toilettenräume befinden sich im Wagen und ein einfaches Frühstück ist inklusive. Die neueren Comfort-Liegewagen bieten unter anderem fixe Betten, WLAN, Steck- beziehungsweise Lademöglichkeiten und Platz für Gepäck unter den Liegen. Nightjet

Der Schlafwagen bietet mehr Komfort und je nach Kategorie auch ein eigenes WC beziehungsweise Dusche. Allerdings sind Schlafwagenabteile grundsätzlich für ein bis drei Personen ausgelegt. Für eine größere Familie ist deshalb das private Liegewagenabteil oft die naheliegendere Konstellation. Nightjet

Und dann gibt es mittlerweile die Mini Cabins.

Sehen spannend aus.

Für unsere derzeitige Familienkonstellation sind sie allerdings ziemlich irrelevant: Kinder dürfen dort erst ab zehn Jahren und in Begleitung eines Erwachsenen reisen. Nightjet

Mit drei kleinen Kindern heißt es also weiterhin:

Kuscheln statt Kapsel.

Kinder fahren nicht automatisch kostenlos im eigenen Bett

Das ist bei der Buchung wichtig.

Kinder bis fünf Jahre können im Nightjet kostenlos mitreisen, wenn sie den gebuchten Sitz-, Liege- oder Schlafplatz eines begleitenden Erwachsenen mitbenutzen. Soll das Kind einen eigenen Schlafplatz bekommen, braucht es ein entsprechendes Kinderticket inklusive Reservierung. Für Kinder von sechs bis 14 Jahren gibt es vergünstigte Tickets. Nightjet

Gerade mit kleinen Kindern würde ich deshalb nicht einfach denken:

„Kinder fahren eh gratis.“

Beim Nachtzug bezahlt man eben auch für den Platz.

Und Platz ist nachts ziemlich wertvoll.

Was mit Kindern ins Nachtzug-Gepäck gehört

Wenn man mit Kindern verreist, gibt es eine gefährliche Denkweise:

Das könnten wir vielleicht brauchen.

Damit bekommt man problemlos einen Kleintransporter voll.

Drei Garnituren Reservegewand.

Spielzeug.

Bücher.

Windeln.

Essen.

Trinken.

Medikamente.

Kuscheltiere.

Und natürlich irgendeinen Gegenstand, den seit sechs Monaten niemand beachtet hat und der ausgerechnet in Italien lebensnotwendig wird.

Beim Nachtzug merkt man ziemlich schnell:

Alles, was wir mitnehmen, müssen wir zuerst zum Bahnhof bringen.

Dann zum Zug.

Dann in den Zug.

Dann ins Abteil.

Und am nächsten Morgen wieder retour.

Wir versuchen deshalb, möglichst reduziert zu reisen.

Das passt ohnehin zu unserem Familienleben:

Zeit statt Zeug.

Die Trage ist für uns am Bahnhof Gold wert

Mit kleinen Kindern und Gepäck habe ich gerne mindestens eine Hand frei.

Deshalb ist die Trage für unsere Art zu reisen enorm praktisch.

Baby rein.

Rucksack drauf.

Los.

Keine Suche nach Aufzügen.

Keine Diskussion mit Treppen.

Kein sperriger Kinderwagen im Abteil.

Die ÖBB weist selbst darauf hin, dass der Platz für Kinderwagen im Nightjet begrenzt ist und empfiehlt faltbare Modelle. Nightjet

Für uns stellt sich diese Frage meistens gar nicht.

Wir tragen.

Was gehört ins Nachtzug-Handgepäck?

Eine Sache haben wir gelernt:

Der Koffer kann irgendwo sein. Das Zeug für die Nacht nicht.

Deshalb würde ich die wichtigsten Dinge immer in eine kleine Tasche packen, an die man im Abteil problemlos herankommt:

Pyjama, Zahnbürsten, Windeln, Feuchttücher beziehungsweise unsere Wickelsachen, Wasser, Obst oder kleine Jause, Medikamente, falls benötigt, Wechselgewand für die Kinder und natürlich das wichtigste Kuscheltier.

Nicht irgendwo unten im Koffer.

Nicht hinter vier Rucksäcken.

Und ganz sicher nicht in jenem Gepäckstück, das gerade unter drei ausgeklappten Liegen begraben liegt.

Das lernt man exakt einmal.

Essen mit Kindern im Nachtzug

Das Frühstück im Liegewagen ist praktisch, aber mit kleinen Kindern würde ich mich niemals ausschließlich darauf verlassen.

Kinder besitzen ein bemerkenswertes Talent dafür, exakt dann Hunger zu bekommen, wenn Essen gerade besonders unpraktisch ist.

Deshalb:

Obst.

Brot.

Jause.

Wasser.

Etwas, von dem wir wissen, dass die Kinder es essen.

Keine kulinarischen Experimente um 22:47 Uhr zwischen Wien und irgendwo.

Unser normaler Familienalltag besteht aus fünf Mahlzeiten am Tag. Ein bisschen Planung macht deshalb auch Reisen deutlich entspannter.

Schlafen Kinder im Nachtzug wirklich?

Ja.

Nein.

Vielleicht.

Willkommen bei Kindern.

Bei uns funktioniert es grundsätzlich.

Aber ich würde niemandem versprechen:

„Fahr Nachtzug, dein Kind schläft zwölf Stunden durch.“

Manchmal schläft jemand später ein.

Manchmal wacht jemand auf.

Der Zug hält.

Es ruckelt.

Irgendwo wird rangiert.

Auf dem Gang passiert etwas.

Und plötzlich sitzt um zwei Uhr morgens ein Kind im Bett und möchte wissen, ob wir schon in Italien sind.

Nein.

Noch immer nicht.

Nachtzug mit Kindern bleibt Elternschaft. Nur auf Schienen.

Was am Nachtzug mit Kindern nervt

Ich mag Nachtzüge.

Deshalb darf ich auch sagen, was daran nervt.

Die Abteile sind klein.

Mit viel Gepäck werden sie sehr klein.

Mit viel Gepäck und drei Kindern entdeckt man neue physikalische Dimensionen von klein.

Der Schlaf ist nicht immer großartig.

Sanitärräume können je nach Wagen und Reiseverlauf unterschiedlich angenehm sein.

Verspätungen können passieren.

Und wenn ein Kind nachts beschlossen hat, nicht zu schlafen, gibt es relativ wenige Rückzugsmöglichkeiten.

Außerdem ist Nachtzugfahren nicht automatisch günstig.

Gerade ein eigenes Abteil für eine Familie kann je nach Verbindung, Auslastung und Buchungszeitpunkt ordentlich kosten.

Nachtzug ist für uns deshalb nicht die billigste Art zu reisen um jeden Preis.

Es ist eine Art zu reisen, die gut zu uns passt.

Nachtzug oder Flugzeug mit Kindern?

Ich würde daraus keinen Glaubenskrieg machen.

Fliegen kann auf manchen Strecken schneller sein.

Manchmal auch günstiger.

Manchmal gibt es schlicht keine sinnvolle Bahnverbindung.

Beim Nachtzug mögen wir dagegen, dass wir am Bahnhof einsteigen und die Nacht gleichzeitig Reisezeit sein kann.

Die Kinder können sich vor dem Schlafengehen bewegen.

Wir haben unser eigenes Abteil.

Wir müssen nachts nicht Auto fahren.

Und wir kommen häufig relativ zentral an.

Für uns ist deshalb nicht nur entscheidend:

Wie viele Stunden dauert die Verbindung?

Sondern:

Wie verbringen wir diese Stunden?

Acht Stunden Schlafen und Familienalltag können sich völlig anders anfühlen als mehrere Stunden aus Anreise zum Flughafen, Warten, Sicherheitskontrolle, Flug und Weiterfahrt.

Aber das ist unsere Gewichtung.

Eine andere Familie kann vollkommen anders entscheiden.

Nachtzug und HomeExchange passen erstaunlich gut zusammen

Gerade unsere Reisen zeigen uns immer wieder, dass wir unterwegs nicht möglichst viel Service brauchen.

Wir brauchen einen Ort, an dem unser Familienalltag funktionieren kann.

Küche.

Platz.

Waschmaschine.

Betten.

Deshalb kombinieren wir Bahnreisen gerne mit Wohnungen beziehungsweise HomeExchange.

Würden wir wieder Nachtzug fahren?

Ja.

Nicht weil jede Nacht perfekt war.

Nicht weil unsere Kinder zwölf Stunden schweigend in ihren Betten lagen.

Und schon gar nicht, weil wir am nächsten Morgen immer ausgeschlafen aus dem Zug gesprungen wären.

Sondern weil der Nachtzug etwas schafft, das ich beim Reisen mit Kindern besonders mag:

Der Weg gehört zur Reise.

Unsere Kinder gehen in Wien schlafen.

Sie hören den Zug.

Spüren die Bewegung.

Wachen irgendwann auf.

Ziehen den Vorhang zur Seite.

Und draußen ist plötzlich Deutschland.

Oder Italien.

Für mich ist das Verkehr.

Für sie ist es ein kleines Abenteuer.

PapaKann-Fazit

Nachtzug mit Kindern ist nicht automatisch entspannt.

Aber für uns funktioniert er erstaunlich gut.

Eigenes Abteil.

Wenig Gepäck.

Trage.

Jause griffbereit.

Keine völlig unrealistischen Erwartungen an den Schlaf.

Und möglichst viel Gelassenheit.

Mehr braucht es eigentlich nicht.

Na gut.

Tickets wären noch hilfreich.

Wir sind bisher Wien–Berlin und Wien–La Spezia über Nacht gefahren.

Und werden ziemlich sicher wieder irgendwo abends einsteigen.

Denn es gibt kaum einen schöneren Reisebeginn als:

Abends Vorhang zu.

Kinder schlafen legen.

Und morgens wieder aufmachen.

Gestern Wien. Heute woanders.

Aktuelle Nightjet-Verbindungen und Buchung

Quellen & Weiterlesen

ÖBB Nightjet – Reisen mit Kindern
Die ÖBB informiert über die besonderen Konditionen für Familien im Nightjet. Kinder bis fünf Jahre können kostenlos mitreisen, wenn sie keinen eigenen Platz beanspruchen; für einen eigenen Sitz-, Liege- oder Schlafplatz ist ein entsprechendes Ticket samt Reservierung notwendig. Für Kinder von sechs bis 14 Jahren gelten vergünstigte Tarife.

ÖBB Nightjet – Liegewagen und Privatabteile
Für Familien besonders interessant sind Privatabteile im Liegewagen. Je nach eingesetztem Wagen unterscheiden sich Ausstattung und Anzahl der Liegen. Im klassischen Privatabteil können laut Nightjet bis zu sechs Personen gemeinsam reisen; bei Familien sind maximal fünf Kinder bis 14 Jahre möglich.

ÖBB Nightjet – Schlafwagen
Schlafwagen bieten gegenüber dem Liegewagen mehr Privatsphäre und – abhängig von der gebuchten Kategorie – teilweise ein eigenes WC und eine Dusche. Die Abteile sind grundsätzlich für ein bis drei Personen konzipiert. Für größere Familien kann deshalb ein privates Liegewagenabteil praktischer sein.

PapaKann ersetzt keine Reise- oder Tarifberatung. Fahrpläne, Wagenmaterial, Preise und Tarifbedingungen können sich ändern. Unsere Beiträge verbinden unsere persönlichen Reiseerfahrungen mit den zum Zeitpunkt der Veröffentlichung verfügbaren Informationen der jeweiligen Anbieter.

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