Mehrere Töpfe mit vorbereitetem Gemüse beim Food Prepping für die Familie

Fünf Mahlzeiten am Tag. Und trotzdem kochen wir nicht ständig.

Familienessen bedeutet bei uns mit drei kleinen Kindern vor allem eines: ziemlich viel Organisation. Frühstück, zwei Obstjausen, Mittag- und Abendessen ergeben fünf Mahlzeiten am Tag und trotzdem möchten wir möglichst frisch, abwechslungsreich und gemeinsam essen.

Kinder haben ein bemerkenswertes Verhältnis zu Hunger.

Sie frühstücken.

Eine Stunde später:

„Papa, ich hab Hunger.“

Obstjause.

Dann Mittagessen.

Danach Obstjause.

Dann Abendessen.

Und ungefähr zwölf Minuten später könnte theoretisch wieder jemand etwas essen.

Mit drei kleinen Kindern besteht ein erstaunlich großer Teil des Tages aus der Frage:

Was essen wir als Nächstes?

Bei uns sind es normalerweise fünf Mahlzeiten:

Frühstück.
Vormittags-Obstjause.
Mittagessen.
Nachmittags-Obstjause.
Abendessen.

Das klingt nach ziemlich viel Küchenarbeit.

Ist es auch.

Aber deutlich weniger, seit wir aufgehört haben, fünfmal täglich darüber nachzudenken.

Familienessen mit Kindern braucht Planung

Wenn ich „Meal Prep“ sehe, denke ich an Instagram-Videos.

Sonntagabend.

14 identische Boxen.

Reis.

Brokkoli.

Hühnerbrust.

Montag bis Freitag exakt dasselbe Mittagessen.

Nein danke.

Food Prepping bedeutet bei uns etwas anderes:

Heute schon ein bisserl an morgen denken.

Wenn wir Kartoffeln kochen, können es mehr sein.

Wenn Gemüse verarbeitet werden muss, überlegen wir gleich, was daraus noch entstehen kann.

Eine Tomatensauce ist nicht nur für eine Mahlzeit da.

Obst wird gewaschen und vorbereitet.

Was bald schlecht wird, kommt zuerst dran.

Und manches Gericht wird bewusst so gekocht, dass am nächsten Tag schon ein Teil des Essens fertig ist.

Das Entscheidende ist für mich nicht das Vorkochen.

Es ist das Vorausdenken.

Denn fünf Mahlzeiten werden vor allem dann anstrengend, wenn fünfmal am Tag jemand vor einem offenen Kühlschrank steht und denkt:

Scheiße. Was essen wir jetzt?

Food Prepping: Heute schon an morgen denken

Sondern mit:

Was haben wir gerettet?

Wir kochen beinahe ausschließlich mit geretteten Lebensmitteln.

Vieles kommt bei uns vom hiesigen Sozialretter oder über Too Good To Go.

Was fehlt, ergänzen wir – insbesondere Brot, Obst und Gemüse – unter anderem über ADAMAH BioHof.

Das verändert die Art zu kochen ziemlich grundlegend.

Normalerweise funktioniert Essensplanung so:

Ich suche ein Rezept.

Dann kaufe ich die Zutaten.

Bei uns ist es häufig umgekehrt:

Wir haben die Zutaten. Jetzt überlegen wir, was daraus wird.

Drei Zucchini?

Gut.

Paprika?

Auch gut.

Ein halbes Kilo Tomaten, die heute wirklich wegmüssen?

Sehr gut.

Pasta haben wir sowieso.

Los geht’s.

Lebensmittelrettung bestimmt unseren Speiseplan

Das klingt romantischer, als es manchmal ist.

Natürlich gibt es Tage, an denen man vor irgendeinem Gemüse steht und sich fragt:

Was bist du überhaupt?

Aber genau das gefällt mir inzwischen daran.

Lebensmittelrettung zwingt uns ein Stück weit dazu, flexibel zu kochen.

Nicht:

„Heute brauche ich exakt diese zwölf Zutaten.“

Sondern:

„Was können wir aus dem machen, was da ist?“

Und das spart nicht nur Lebensmittel.

Es erweitert auch unseren Speiseplan.

Saisonal essen lernen – ganz ohne Unterricht

Das ist ein Nebeneffekt, den ich besonders schön finde.

Unsere Kinder wissen, wie Gemüse aussieht.

Nicht nur Gurke und Tomate.

Sie kennen unterschiedlichstes Obst und Gemüse beim Namen.

Sie wissen auch zunehmend:

Nicht alles wächst immer.

Erdbeeren gehören zu einer anderen Jahreszeit als Kürbis.

Tomaten schmecken im Sommer anders.

Manches Gemüse taucht plötzlich ständig bei uns auf – und ein paar Wochen später kaum mehr.

Nicht, weil wir ihnen einen Vortrag über saisonale Ernährung halten.

Sondern weil sie es erleben.

Saisonalität steht bei uns nicht am Lehrplan. Sie liegt auf dem Teller.

Und natürlich mögen sie trotzdem nicht alles.

Kinder bleiben Kinder.

Unsere Küche ist ziemlich italienisch. Nur halt mit österreichischem Kühlschrank.

Meine Frau ist Halbitalienerin.

Das merkt man bei uns am Esstisch.

Viel Pasta.

Tomaten.

Gemüse.

Olivenöl.

Einfache Gerichte mit wenigen Zutaten.

Aber eben kombiniert mit dem, was hier verfügbar ist.

Wenn der Sozialretter gerade österreichisches Gemüse hat, wird daraus eben etwas Italienisch-Österreichisches.

Pasta nonna trifft Restlküche.

Und das funktioniert erstaunlich gut.

Was ich an der italienisch angehauchten Küche besonders mag:

Sie muss überhaupt nicht kompliziert sein.

Pasta mit gutem Gemüse.

Eine schnelle Sauce.

Risotto.

Minestrone.

Polenta.

Frittata.

Viele Gerichte lassen sich aus wenigen Zutaten kochen und problemlos an das anpassen, was gerade vorhanden ist.

Für unseren Familienalltag ist das Gold wert.

Schnelles Familienessen muss kein Fertigessen sein

Mit drei Kindern muss Essen manchmal schnell gehen.

Sehr schnell.

Aber schnell kochen und Fertigessen sind für mich zwei unterschiedliche Dinge.

Eine Pasta mit Gemüse braucht keine Stunde.

Eine Frittata auch nicht.

Aus vorbereitetem Gemüse, einer Sauce vom Vortag oder bereits gekochten Kartoffeln entsteht in kurzer Zeit eine vollständige Mahlzeit.

Genau deshalb ist Food Prepping für uns so wichtig.

Wir sparen nicht beim Essen Zeit. Wir sparen vorher Entscheidungen.

Das ist für mich der eigentliche Luxus.

Und zweimal am Tag gibt es Obstjause

Unsere Zwischenmahlzeiten sind bewusst ziemlich unspektakulär.

Obst.

Je nachdem, was gerade da ist und Saison hat.

Vormittags einmal.

Nachmittags noch einmal.

Keine tägliche Suche nach speziellen „Kindersnacks“.

Keine fünf verschiedenen Quetschies für fünf Geschmacksrichtungen.

Ein Apfel darf bei uns noch ein Apfel sein.

Das ist günstiger, unkomplizierter und die Kinder lernen Lebensmittel so kennen, wie sie sind.

Und ja:

Natürlich gibt es bei uns auch Kekse.

PapaKann ist keine Wellness-Klinik.

Der wichtigste Teil unserer Mahlzeiten ist aber nicht das Essen

Es ist der Tisch.

Gemeinsame Mahlzeiten sind uns heilig.

Dass uns diese gemeinsame Zeit so wichtig ist, ist nicht nur Bauchgefühl. Fachliche Empfehlungen raten ausdrücklich dazu, dass Kleinkinder so oft wie möglich gemeinsam mit Familienmitgliedern essen. Dabei geht es nicht nur darum, was auf dem Teller liegt: Kinder beobachten uns, probieren, kommunizieren und entwickeln ihre eigenen Essgewohnheiten.

Nicht immer romantisch.

Nicht immer ruhig.

Und mit drei kleinen Kindern ausgesprochen selten so, wie Möbelhäuser Familienessen fotografieren.

Einer will etwas.

Einer verschüttet etwas.

Einer ist fertig, bevor Papa überhaupt sitzt.

Und trotzdem:

Wir sitzen zusammen.

Der Esstisch ist einer der wenigen Orte, an dem der Familienalltag regelmäßig zusammenkommt.

Nicht nebenbei.

Nicht jeder irgendwann.

Sondern möglichst gemeinsam.

Der Esstisch ist für uns deshalb nicht nur der Ort, an dem wir satt werden. Er ist einer der Orte, an denen Familie passiert.

Kinder lernen Essen auch dadurch, dass sie uns essen sehen

Deshalb gibt es bei uns grundsätzlich kein eigenes „Kinderessen“.

Wir essen gemeinsam.

Natürlich berücksichtigen wir die Kinder.

Natürlich gibt es Komponenten, die sie mögen.

Aber ich möchte nicht jeden Abend zwei Küchen betreiben.

Eine für Erwachsene und eine mit Nudeln ohne alles.

Kinder dürfen sehen, was wir essen.

Riechen.

Kosten.

Ablehnen.

Später noch einmal probieren.

Und manchmal jahrelang behaupten, etwas sei ungenießbar, bevor sie plötzlich meinen:

„Das mag ich.“

Als hätten wir es ihnen nicht 73-mal angeboten. (Dank BLW ist es aber maximal 10 Mal. 😉 )

Food Prepping ist für mich Familienorganisation

Früher hätte ich bei Meal Prep wahrscheinlich an Fitness-Influencer gedacht.

Heute denke ich an:

Obst für morgen.

Sauce im Kühlschrank.

Gemüse, das zuerst wegmuss.

Kartoffeln gleich doppelt kochen.

Und die Frage, was wir aus den geretteten Lebensmitteln der nächsten Tage machen.

Mit drei Kindern sind fünf Mahlzeiten täglich keine Kleinigkeit.

35 Mahlzeiten bzw. Jausen pro Woche.

Und da sind Mama und Papa noch nicht einmal mitgerechnet.

Je weniger Entscheidungen davon spontan getroffen werden müssen, desto entspannter wird unser Alltag.

PapaKann-Fazit

Bei uns gibt es fünf Mahlzeiten am Tag.

Wir kochen fast täglich frisch.

Wir retten einen großen Teil unserer Lebensmittel.

Wir kaufen ergänzend ein.

Unsere Küche ist irgendwo zwischen Italien und Österreich zuhause.

Und unsere Kinder lernen ganz nebenbei, dass eine Paprika nicht im Supermarkt wächst und Erdbeeren keine zwölf Monate Saison haben.

Das funktioniert nicht, weil wir jeden Tag besonders viel Zeit zum Kochen hätten.

Sondern weil wir vorbereiten.

Weiterverwenden.

Improvisieren.

Und aus dem kochen, was da ist.

Food Prepping bedeutet für uns nicht, Essen für eine Woche in Boxen zu sperren.

Es bedeutet:

Heute schon wissen, wie morgen alle satt werden.

Und dann sitzen wir zusammen am Tisch.

Manchmal gemütlich.

Manchmal chaotisch.

Aber gemeinsam.

Das ist uns wichtiger als jedes perfekte Familienrezept.

Quellen & Weiterlesen

Netzwerk Gesund ins Leben – Gemeinsame Mahlzeiten im Kleinkindalter
Die Handlungsempfehlungen nennen einen regelmäßigen Mahlzeitenrhythmus mit beispielsweise drei Hauptmahlzeiten und zwei kleineren Zwischenmahlzeiten. Kinder sollen außerdem möglichst häufig gemeinsam mit Familienmitgliedern essen. Gemeinsame Mahlzeiten strukturieren den Alltag und geben Kindern Gelegenheit, Essverhalten durch Beobachtung und Nachahmung kennenzulernen.

Netzwerk Gesund ins Leben – Warum Familienmahlzeiten wichtig sind
Gemeinsames Essen bedeutet mehr als Nahrungsaufnahme. Kleinkinder erleben dabei die Essgewohnheiten ihrer Eltern und Geschwister, probieren Lebensmittel und lernen am Vorbild der Erwachsenen. Das Netzwerk verweist zudem auf Beobachtungsstudien, in denen häufigere Familienmahlzeiten mit günstigerem Essverhalten verbunden waren.

World Health Organization – Healthy Diet
Die WHO empfiehlt eine abwechslungsreiche Ernährung mit unter anderem Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten. Ernährungsgewohnheiten und Vorlieben entwickeln sich bereits in der Kindheit und können bis ins Erwachsenenalter fortbestehen.

UN Environment Programme – Food Waste Index Report 2024
Lebensmittelverschwendung ist kein kleines Randthema. Der Bericht betrachtet Lebensmittelabfälle unter anderem in Haushalten, Gastronomie und Handel und beschäftigt sich neben der Messung ausdrücklich mit Möglichkeiten, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Lebensmittelrettung ist damit nicht nur eine persönliche Sparstrategie, sondern Teil eines wesentlich größeren Nachhaltigkeitsthemas.

PapaKann ersetzt keine medizinische oder ernährungswissenschaftliche Beratung. Unsere Beiträge verbinden persönliche Erfahrungen mit Fachliteratur und wissenschaftlichen Erkenntnissen und dienen der Information und persönlichen Auseinandersetzung.

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