Papa trägt sein Kind in einer Babytrage auf dem Rücken

Baby tragen: Welche Trage passt zu uns?

Tragen ist Liebe.

Das klingt vielleicht ein bisserl kitschig.

Nach drei Kindern stehe ich trotzdem dazu.

Ein Baby nah am eigenen Körper zu tragen, gehört für mich zu den schönsten Dingen am Papasein. Ich spüre mein Kind. Mein Kind spürt mich. Und gleichzeitig habe ich im Alltag zwei Hände frei.

Bei uns waren und sind die Kinder Tragekinder.

Aber spätestens beim ersten Blick auf den Markt merkt man:

Tragetuch? Ringsling? Halfbuckle? Fullbuckle? Mei Tai? Onbuhimo? Welche Größe? Welches Material?

Und dann kommen noch ungefähr 78 Hersteller dazu.

Deshalb gleich meine wichtigste Empfehlung:

Bevor du eine Trage kaufst: Geh zur Trageberatung

Wenn du aus diesem Artikel nur einen Tipp mitnimmst, dann diesen:

Nimm eine gute Trageberatung in Anspruch.

Nicht jede Trage passt zu jedem Baby.

Und nicht jede Trage passt zu jedem Erwachsenen.

Körpergröße, Statur, Alter und Größe des Babys, Gewicht, gewünschte Tragedauer und persönliche Vorlieben spielen eine Rolle.

Was bei mir bequem sitzt, kann bei meiner Frau ganz anders sein.

Und was mit einem drei Monate alten Baby wunderbar funktioniert, muss mit einem deutlich schwereren Kleinkind nicht mehr die angenehmste Lösung sein.

Eine Trageberatung hat außerdem einen riesigen Vorteil:

Du kannst ausprobieren.

Bevor du viel Geld für eine Trage ausgibst, die anschließend im Kasten liegt.

In den ersten Tagen: Tragetuch oder Love in Loop

Gerade bei sehr kleinen Babys mag ich Systeme, die sich besonders gut an den kleinen Körper anpassen lassen.

Das klassische Tragetuch ist dafür nach wie vor eine wunderbare Möglichkeit.

Richtig gebunden lässt es sich sehr individuell an Baby und tragende Person anpassen. Am Anfang braucht das Binden vielleicht ein paar Versuche, genau hier hilft wieder die Trageberatung.

Eine weitere Möglichkeit für die erste Zeit ist für uns Love in Loop.

Gerade wenn man Nähe und das anschmiegsame Gefühl eines Tuchs möchte, aber im Alltag eine möglichst unkomplizierte Lösung sucht, kann so ein System interessant sein.

Für mich geht es in dieser Phase noch gar nicht darum, eine Trage für die nächsten drei Jahre zu finden.

Sondern darum:

Was passt jetzt zu diesem kleinen Baby und zu uns?

Für Babys und das erste Jahr: Manduca Twist

Die Manduca Twist war meine erste Trage.

Allein deshalb hat sie für mich einen besonderen Stellenwert.

Sie verbindet für mich einiges, was gerade am Anfang angenehm ist: Nähe zum Tragetuch, aber ohne jedes Mal ein komplettes Tuch binden zu müssen.

Wir haben sie bereits mit Baby genutzt und sie hat uns durch einen großen Teil des ersten Jahres begleitet.

Und genau hier habe ich auch etwas gelernt, das sich durch diesen ganzen Artikel zieht:

Eine Trage muss nicht für immer passen.

Babys wachsen. Gewicht verändert sich. Der Körper verändert sich. Und auch das, was man selbst von einer Trage erwartet, verändert sich.

Die Manduca Twist war für mich deshalb nicht die eine Trage fürs ganze Tragealter.

Sie war für eine bestimmte Phase genau richtig.

Didymos Mei Tai: viel Tuchgefühl, weniger Tuch

Eine weitere Trage, die ich mir gerade für Babys und das erste Jahr ansehen würde, ist ein Mei-Tai-System von Didymos.

Ich mag daran die Kombination:

Man bekommt viel von der Anpassungsfähigkeit und dem Gefühl eines Tragetuchs, hat aber bereits eine klarere Konstruktion als beim klassischen Tuch.

Gerade wenn man ein Tragetuch grundsätzlich mag, aber nicht bei jedem Einsatz komplett neu binden möchte, kann das ein schöner Mittelweg sein.

Auch hier gilt:

Nicht nach Tabellen kaufen und hoffen, dass es passt.

Anprobieren. Einstellen lassen. Baby rein. Spüren.

Danach gibt es nicht die eine beste Babytrage

Mit zunehmender Größe und Gewicht verändern sich die Anforderungen.

Spätestens dann wird die Frage

„Welche Babytrage ist die beste?“

für mich ziemlich sinnlos.

Die bessere Frage lautet:

Welche Trage passt jetzt zu unserem Kind und zu unserem Alltag?

Denn plötzlich geht es vielleicht nicht mehr nur darum, ein kleines Baby eng am Körper zu haben.

Das Kind wird schwerer.

Die Tragedauer verändert sich.

Vielleicht wird das Rückentragen interessanter.

Und aus dem Baby wird irgendwann ein Kleinkind, das ungefähr alle drei Minuten zwischen

„Selber gehen!“

und

„Papa tragen!“

wechselt.

Ruckeli

Ruckeli kann eine interessante Wahl sein, wenn eine unkomplizierte und schnell anzulegende Trage gesucht wird.

Gerade im Alltag möchte ich manchmal keine Wissenschaft daraus machen.

Kind rein.

Einstellen.

Los.

Mit zunehmendem Gewicht wird für mich aber immer wichtiger, wie gut sich die Last verteilt und ob die Trage auch nach längerer Zeit noch angenehm sitzt.

LennyLamb

LennyLamb finde ich besonders interessant, weil es eine große Auswahl an unterschiedlichen Tragesystemen, Größen und Stoffen gibt.

Das macht die Marke gerade dann spannend, wenn sich die Anforderungen mit dem Alter des Kindes verändern.

Vom Baby bis zum größeren Tragekind gibt es unterschiedliche Lösungen, auch fürs Rückentragen.

Die große Auswahl hat allerdings auch einen Nachteil:

Man muss erst einmal wissen, was man eigentlich sucht.

Womit wir wieder bei der Trageberatung wären.

Fidella

Auch Fidella gehört für mich in die Auswahl, wenn man sich unterschiedliche Tragesysteme anschauen möchte.

Interessant finde ich vor allem, dass es verschiedene Bauarten und Größen gibt und man dadurch je nach Alter, Größe des Kindes und gewünschter Verwendung unterschiedliche Möglichkeiten hat.

Aber auch bei Fidella gilt für mich:

Die Marke allein sagt noch nicht, ob eine konkrete Trage zu euch passt.

Die richtige Trage ist immer die Kombination aus Tragesystem, Kind und tragender Person.

Material ist nicht nur eine Geschmacksfrage

Bei einer Trage würde ich nicht ausschließlich auf Farbe, Muster oder Marke schauen.

Schau auf die Materialzusammensetzung.

Baumwolle, Leinen, Hanf, Wolle oder unterschiedliche Mischungen können sich verschieden anfühlen und unterschiedliche Eigenschaften haben.

Für uns spielen Naturmaterialien grundsätzlich eine große Rolle.

Aber auch hier gilt:

Das Material muss zu eurem Tragewunsch passen.

Trage ich zehn Minuten zum Spielplatz?

Eine Stunde beim Spaziergang?

Mehrere Stunden auf Reisen?

Ein kleines Baby?

Oder ein deutlich schwereres Kleinkind?

Je länger und schwerer getragen wird, desto wichtiger wird für mich, wie sich das Gewicht verteilt und wie angenehm sich Stoff und Tragesystem anfühlen.

Ringsling: der Spezialist für „nur ganz kurz“

Es gibt diese berühmten Situationen:

Das Kind möchte laufen.

Dann getragen werden.

Dann laufen.

Dann getragen werden.

Dann unbedingt selbst gehen.

Und 37 Sekunden später wieder getragen werden.

Für solche Situationen finde ich einen Ringsling großartig.

Er lässt sich schnell anlegen und braucht wenig Platz.

Für längeres Tragen bevorzuge ich persönlich meist eine Lösung, bei der sich das Gewicht gleichmäßiger verteilt.

Aber für:

„Papa, tragen!“

… und fünf Minuten später:

„Runter!“

ist der Ringsling schwer zu schlagen.

Irgendwann wandert das Kind auf den Rücken

Je größer und schwerer Kinder werden, desto interessanter wird das Rückentragen.

Hier können entsprechend größere Modelle und Toddler-Tragen beispielsweise von LennyLamb oder Fidella interessant werden.

Für mich verändert sich dabei auch der Anspruch an eine Trage.

Bei einem kleinen Baby steht für mich das anschmiegsame Tragen sehr weit vorne.

Bei einem größeren Kind werden Gewichtsverteilung, Tragekomfort und unkompliziertes Auf- und Absetzen immer wichtiger.

Wichtig bleibt die passende Größe.

Nur weil irgendwo „Toddler“ steht, bedeutet das noch nicht automatisch, dass die Trage gerade zum eigenen Kind passt.

Und auch das sichere Rückentragen würde ich mir zeigen lassen, wenn man damit noch keine Erfahrung hat.

Onbuhimo: wenig Trage, viel Schulter

Eine interessante Lösung für größere Kinder ist der Onbuhimo.

Das Besondere:

Er kommt ohne klassischen Hüftgurt aus.

Das kann sehr angenehm sein, wenn man keinen Hüftgurt möchte oder ein größeres Kind schnell auf dem Rücken tragen will.

Aber:

Die Belastung liegt entsprechend stärker auf den Schultern.

Wenn deine Schultern das gewohnt sind: großartig.

Wenn nicht, können zehn Minuten plötzlich ziemlich lang werden.

Ein Onbuhimo wäre für mich deshalb keine pauschale Empfehlung.

Starke beziehungsweise gut trainierte Schultern sind hier definitiv von Vorteil.

Papa braucht keine eigene Männertrage

Einen Punkt möchte ich noch loswerden.

Eine Babytrage muss nicht „für Männer“ sein.

Sie braucht kein Tactical-Design.

Keine Tarnfarbe.

Und vermutlich auch keinen Flaschenöffner am Schultergurt.

Papa darf einfach dieselbe Nähe mögen wie Mama.

Entscheidend ist, dass die Trage zu meinem Körper passt und ich mein Kind damit gerne trage.

Und wenn Mama und Papa sehr unterschiedliche Körpergrößen oder Staturen haben, kann am Ende sogar herauskommen, dass zwei unterschiedliche Systeme besser funktionieren.

Auch das ist okay.

Welche Trage würden wir wählen?

Genau deshalb werde ich hier keinen Testsieger küren.

Für die ersten Tage und Wochen würde ich mir Tragetuch oder Love in Loop ansehen.

Für Babys und das erste Jahr können beispielsweise Manduca Twist oder ein Mei-Tai-System von Didymos interessant sein.

Mit zunehmender Größe und je nach gewünschter Tragedauer kommen für uns Systeme von Ruckeli, LennyLamb oder Fidella ins Spiel.

Für kurze Strecken: Ringsling.

Für größere Kinder: eine passende Trage fürs Rückentragen.

Und wenn das Kind größer ist und die Schultern mitspielen: Onbuhimo.

Aber vor all diesen Empfehlungen steht für mich:

Trageberatung. Trageberatung. Trageberatung.

Denn die beste Babytrage ist nicht die mit den meisten Testsiegen.

Es ist die, in der dein Kind und du gerne unterwegs seid.

PapaKann-Fazit

Tragen ist für mich kein Transportproblem, das möglichst effizient gelöst werden muss.

Tragen ist Nähe.

Ich habe meine Kinder getragen, weil es praktisch ist.

Weil ich zwei Hände frei habe.

Weil wir damit unterwegs unglaublich flexibel sind.

Aber vor allem:

weil Tragen Liebe ist.

Ein Baby so nah bei mir zu haben, seinen Atem zu spüren und irgendwann zu merken, wie der kleine Körper einschläft und schwer wird – diese Zeit ist begrenzt.

Irgendwann wollen sie runter.

Dann laufen sie selbst.

Und irgendwann sind selbst meine Schultern keine Option mehr.

Bis dahin?

Trage ich.

P.S.: Meine Frau ist Trage-Weltmeisterin. 😉

Quellen & Weiterlesen

Dieser Artikel basiert auf unseren eigenen Erfahrungen als Familie mit unterschiedlichen Tragesystemen und drei Tragekindern. Welche Trage geeignet ist und wie sie korrekt eingestellt wird, hängt unter anderem von Baby, Entwicklungsstand, Körperbau und tragender Person ab. Gerade deshalb empfehle ich eine individuelle Trageberatung.

  • International Hip Dysplasia Institute: Informationen zu Babytragen und einer hüftfreundlichen Positionierung. Besonders bei kleinen Babys sollte darauf geachtet werden, dass eine Trage den Körper angemessen unterstützt.
  • NHS (National Health Service): Baby and toddler safety – Baby slings and carriers. Hinweise zum sicheren Tragen von Babys und zu den T.I.C.K.S.-Grundregeln. Besonders wichtig sind eine freie Sicht auf das Gesicht, freie Atemwege, eine ausreichend enge Trageweise und ein gut gestützter Rücken.

Hinweis: PapaKann ist kein pädagogischer oder medizinischer Fachdienst. Ich schreibe hier aus meiner persönlichen Erfahrung als Papa und verbinde diese mit ausgewählten fachlichen Quellen. Kinder entwickeln sich unterschiedlich, und was für unsere Familie funktioniert, muss nicht automatisch für jede andere Familie passen.

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