Verhütung ist auch Männersache: Wann wir Papas Verantwortung übernehmen müssen
Verhütung für Männer ist noch immer ein erstaunlich kleines Thema. Dabei betrifft Familienplanung beide und damit auch die Verantwortung dafür, eine weitere Schwangerschaft zu verhindern. Gerade wenn der Kinderwunsch abgeschlossen ist, stellt sich für viele Väter eine unangenehme, aber wichtige Frage: Wer verhütet jetzt eigentlich? Warum Verhütung auch Männersache ist und welche Verantwortung wir Männer übernehmen können.
Mein bislang unangenehmstes Papa-Thema
Über Windeln kann ich schreiben.
Über Familienbett.
Über Wutanfälle, Mental Load und Gleichberechtigung.
Über meine Eier?
Schwieriger.
Und trotzdem glaube ich, dass wir darüber reden sollten.
Denn nach drei Kindern steht bei uns eine Frage im Raum, die irgendwann in vielen Familien auftaucht:
Sind wir fertig?
Und wenn die Antwort darauf Ja lautet, folgt ziemlich schnell die nächste:
Wer kümmert sich jetzt eigentlich um die Verhütung?
Die einfache Antwort wäre:
Meine Frau.
Hormone. Spirale. Zyklus beobachten. Irgendwas wird sich schon finden.
Oder wir Männer sagen den Klassiker:
„Wir passen halt auf.“
Kann man machen.
Aber irgendwann habe ich mich gefragt:
Warum eigentlich wieder sie?
Wer hat bisher eigentlich verhütet?
Wenn wir über Gleichberechtigung sprechen, reden wir viel über Haushalt.
Wer kocht?
Wer bringt die Kinder ins Bett?
Wer reduziert seine Arbeitszeit?
Wer denkt an Arzttermine?
Wer übernimmt die Karenz?
Verhütung taucht in diesen Diskussionen erstaunlich selten auf.
Dabei beginnt Verantwortung nicht erst beim positiven Schwangerschaftstest.
Bei heterosexuellen Paaren stehen zwar zahlreiche Verhütungsmethoden zur Verfügung, die meisten davon werden aber am oder im weiblichen Körper angewendet. Das österreichische Gesundheitsportal hält entsprechend fest, dass Männer derzeit mit Kondom oder Vasektomie eigenständig verhüten können.
Das heißt nicht automatisch, dass jede Frau jahrelang hormonell verhütet hat. Und es bedeutet schon gar nicht, dass hormonelle Verhütung grundsätzlich schlecht wäre.
Aber es lohnt sich, als Paar einmal ehrlich hinzuschauen:
Wer hat die Verantwortung bisher hauptsächlich getragen?
Wer Kinder betreut, organisiert und begleitet, weiß ohnehin: Kinderbetreuung ist Arbeit auch wenn dafür kein Gehalt überwiesen wird.
Schwangerschaft ist jedenfalls nicht 50:50
Wir können als Papas bei Schwangerschaften viel übernehmen.
Wir können mitgehen.
Zuhören.
Massieren.
Organisieren.
Geschwisterkinder betreuen.
Nach der Geburt wickeln, tragen, kochen und nachts aufstehen.
Aber schwanger?
Sind wir nicht.
Gebären?
Auch eher schwierig.
Stillen?
Bei den meisten von uns wird’s ebenfalls eng.
So gleichberechtigt eine Partnerschaft sein kann: Die körperliche Belastung einer Schwangerschaft und Geburt lässt sich nicht gerecht auf zwei Körper verteilen.
Und genau deshalb finde ich die Frage nach der Verhütung nach abgeschlossener Familienplanung so interessant.
Nicht als Rechnung:
Du hast drei Kinder geboren, jetzt bin ich dran.
Partnerschaft funktioniert für mich nicht mit Stricherlliste.
Sondern als Frage:
Wo kann ich Verantwortung übernehmen, die ich tatsächlich übernehmen kann?
Verhütung gehört dazu.
Verantwortung übernehmen beginnt für mich auch dort, wo wir Papas mit unseren Kindern selbstverständlich allein verantwortlich sind und nicht bloß „aushelfen“.
Verhütung für Männer: Welche Möglichkeiten gibt es?
Die Möglichkeiten zur Verhütung für Männer sind derzeit überschaubar. Wer als Mann selbst die Verhütung kontrollieren möchte, hat vor allem zwei etablierte Möglichkeiten: Kondom oder Vasektomie.
Kondome haben einen großen Vorteil: Sie sind reversibel, leicht verfügbar und schützen als einzige Verhütungsmethode gleichzeitig vor sexuell übertragbaren Infektionen. Ihre Sicherheit hängt allerdings stark von der korrekten und konsequenten Anwendung ab. Die WHO nennt bei perfekter Anwendung einen Schutz vor ungeplanter Schwangerschaft von 98 Prozent; im Alltag liegt die Wirksamkeit niedriger.
Und dann gibt es die Vasektomie.
Vasektomie: Verantwortung übernehmen heißt nicht Held spielen
Ich finde bei diesem Thema zwei Extreme schwierig.
Auf der einen Seite:
„Sicher nicht. Da unten schneidet mir niemand herum.“
Auf der anderen:
Der Mann lässt sich vasektomieren und wird anschließend zum Märtyrer der Gleichberechtigung erklärt.
Auch das brauchen wir nicht.
Eine Vasektomie ist ein medizinischer Eingriff.
Dabei werden die Samenleiter durchtrennt beziehungsweise verschlossen, sodass keine Spermien mehr ins Ejakulat gelangen. Sie gilt als sehr sichere dauerhafte Verhütungsmethode. Laut österreichischem Gesundheitsportal treten im ersten Jahr nach einer Vasektomie bei den Partnerinnen sterilisierter Männer weniger als zwei Schwangerschaften pro 1.000 Frauen auf.
Aber:
Eine Vasektomie sollte als dauerhaft betrachtet werden.
Eine Wiederherstellung kann versucht werden, garantiert eine spätere Fruchtbarkeit aber nicht. Wer sich dafür entscheidet, sollte deshalb seine Familienplanung tatsächlich abgeschlossen haben und die Entscheidung medizinisch gut abklären.
Und unmittelbar nach dem Eingriff ist man noch nicht automatisch sicher unfruchtbar. Es können noch Spermien vorhanden sein. Deshalb muss zunächst weiter verhütet werden; die WHO empfiehlt, drei Monate abzuwarten und weist darauf hin, dass eine Samenanalyse die Wirksamkeit bestätigen kann.
Das gehört für mich zu einer seriösen Diskussion genauso dazu wie der Satz:
Ja, wir Männer dürfen uns diese Möglichkeit zumindest anschauen.
Die Entscheidung über meinen Körper treffe trotzdem ich
Das ist mir bei diesem Artikel besonders wichtig.
Gleichberechtigung bedeutet nicht:
Eine Frau hat Kinder geboren, deshalb schuldet ihr Partner ihr jetzt eine Vasektomie.
Nein.
Mein Körper bleibt mein Körper.
Ihr Körper bleibt ihr Körper.
Niemand sollte zur Sterilisation gedrängt werden. Genau deshalb betonen medizinische Empfehlungen die freiwillige und informierte Entscheidung.
Aber körperliche Selbstbestimmung darf auch keine Ausrede dafür sein, die gesamte Verhütungsverantwortung kommentarlos beim anderen Menschen abzuladen.
Zwischen
„Du musst dich vasektomieren lassen.“
und
„Verhütung ist dein Problem.“
liegt ziemlich viel Platz.
Dort sollte Partnerschaft stattfinden.
Vielleicht beginnt Gleichberechtigung früher, als wir denken
Wir Papas diskutieren darüber, ob wir zwei oder sechs Monate in Karenz gehen.
Ob wir 30 oder 40 Stunden arbeiten.
Wer nachts aufsteht.
Wer Wäsche macht.
Wer Kindergeburtstage organisiert.
Alles wichtig.
Aber vielleicht müssen wir Gleichberechtigung noch etwas weiter zurückdenken.
Zu der Frage, wer verhindert, dass überhaupt eine Schwangerschaft entsteht, wenn keine gewünscht ist.
Denn auch das ist Verantwortung.
Und vielleicht sollten wir Männer uns nicht erst zuständig fühlen, wenn zwei Striche auf einem Test auftauchen.
Für mich lautet die Frage deshalb nicht: Vasektomie – ja oder nein?
Das muss jeder Mann für sich entscheiden.
Gemeinsam mit seiner Partnerin besprechen.
Und bei Interesse mit einer Ärztin oder einem Arzt medizinisch abklären.
Die viel spannendere Frage lautet für mich:
Haben wir als Paar überhaupt darüber gesprochen, wer seit Jahren die Verantwortung für unsere Verhütung trägt?
Und wenn die Antwort lautet:
Eigentlich fast immer sie.
Dann dürfen wir Männer zumindest einmal fragen:
Warum?
Nicht aus Schuld.
Nicht aus Heldentum.
Sondern aus Verantwortung.
Denn moderne Vaterschaft beginnt für mich nicht beim Windelwechseln.
Und Gleichberechtigung endet nicht beim Haushalt.
Sie endet auch nicht im Schlafzimmer.
Genau das verstehe ich unter moderner, gleichberechtigter Vaterschaft: nicht alles gleich machen zu können, aber Verantwortung dort zu übernehmen, wo es möglich ist.
Quellen & Weiterlesen
Dieser Artikel verbindet persönliche Gedanken zu Vaterschaft, Partnerschaft und Familienplanung mit medizinischen Informationen zur Verhütung. Welche Verhütungsmethode für einen Menschen oder ein Paar geeignet ist, ist eine individuelle Entscheidung und sollte bei medizinischen Fragen mit Ärzt:innen besprochen werden.
Österreichisches Gesundheitsportal – Vasektomie / Sterilisation des Mannes
Erklärt Ablauf, Sicherheit und wichtige Überlegungen vor einer Vasektomie. Das Portal weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Vasektomie als dauerhafte Form der Verhütung gedacht ist.
Österreichisches Gesundheitsportal – Die richtige Verhütungsmethode finden
Überblick über hormonelle, mechanische, natürliche und operative Verhütungsmethoden. Für Männer werden Kondom und Vasektomie als eigenständig anwendbare Methoden genannt.
Weltgesundheitsorganisation (WHO) – Family planning / contraception methods
Internationaler Überblick über moderne Verhütungsmethoden, ihre Anwendung und die Bedeutung selbstbestimmter Familienplanung.
PapaKann ist kein medizinischer, psychologischer oder pädagogischer Fachratgeber. Die Beiträge verbinden persönliche Erfahrungen und Haltungen mit ausgewählten wissenschaftlichen und fachlichen Quellen. Medizinische Entscheidungen – insbesondere dauerhafte Eingriffe wie eine Vasektomie – sollten individuell mit qualifizierten Ärzt:innen besprochen werden.
