Präsenter Vater verbringt Zeit mit seinen Kindern bei einer gemeinsamen Aktivität.

Ich wollte nie hören: „Papa, du warst nicht da.“

Ich hatte nie den Plan, Vollzeitpapa zu werden.

Ich hatte einen anderen Plan.

Karriere machen.
Verantwortung übernehmen.
Erfolgreich sein.
Für meine Familie sorgen.

Was es wirklich bedeutet, ein präsenter Vater zu sein, habe ich erst später verstanden.

Eigentlich ziemlich klassisch.

Und lange Zeit hätte ich vermutlich gesagt: Genau das macht einen guten Vater aus.

Heute sehe ich das anders.

Was bedeutet es, ein präsenter Vater zu sein?

Ich bin selbst mit einem Vater aufgewachsen, der viel gearbeitet hat.

Als Gastwirt war Arbeit nicht etwas, das irgendwann am Nachmittag endete. Sie war immer da. Abends. Am Wochenende. An Feiertagen.

Mein Vater hat für seine Familie gearbeitet.

Und trotzdem gab es etwas, das mir gefehlt hat:

Zeit mit ihm.

Heute, selbst als Papa, verstehe ich vieles besser. Verantwortung tragen, Geld verdienen, Rechnungen bezahlen, all das ist Fürsorge.

Aber es ist eben nur eine Form davon.

Denn Kinder führen keine Stundenlisten darüber, wie viel ihre Eltern gearbeitet haben.

Sie erleben, wer da ist.

Und genau vor einem Satz hatte ich irgendwann Angst:

„Papa, du warst nicht da.“

Ich wollte es anders machen

Nicht besser als frühere Generationen.

Anders.

Ich wollte nicht nur der Papa sein, der morgens aus dem Haus geht und abends wiederkommt.

Ich wollte wissen, welches Buch gerade hundert Mal vorgelesen werden muss.

Welches Essen plötzlich „bäh“ ist, obwohl es gestern noch das Lieblingsessen war.

Ich wollte die Tränen begleiten.

Die Wut.

Das Einschlafen.

Aber auch die völlig unspektakulären Dienstagnachmittage, an die sich später vielleicht niemand konkret erinnern wird, die aber trotzdem Kindheit sind.

Denn Vaterschaft passiert nicht hauptsächlich bei Geburtstagen, Urlauben und Familienausflügen.

Sie passiert dazwischen.

Präsenz ist keine Anwesenheitsliste

Dabei habe ich ziemlich schnell gelernt:

Nur zuhause zu sein macht noch keinen präsenten Vater.

Ich kann neben meinem Kind sitzen und gedanklich trotzdem ganz woanders sein.

Präsenz bedeutet für mich deshalb mehr.

Zuhören.

Beobachten.

Bedürfnisse wahrnehmen.

Verantwortung übernehmen, ohne darauf zu warten, dass mir jemand sagt, was zu tun ist.

Und manchmal bedeutet Präsenz auch, einen Fehler zu erkennen und zu sagen:

„Das war nicht gut von mir.“

Meine Kinder brauchen keinen perfekten Papa.

Den würden sie ohnehin nicht bekommen. 😉

Aber sie sollen einen Papa erleben, der bereit ist zu lernen.

Vatersein kann man lernen

Auf nahezu jede verantwortungsvolle Aufgabe in unserem Leben bereiten wir uns vor.

Wir machen Ausbildungen.

Lesen Fachbücher.

Besuchen Kurse.

Sammeln Erfahrung.

Nur beim Elternwerden hält sich erstaunlich hartnäckig die Vorstellung, dass wir schon irgendwie wissen werden, was zu tun ist.

Ich wusste es nicht.

Also begann ich zu lesen.

Über Bindung.

Bedürfnisorientierte Begleitung.

Montessori.

Kindliche Entwicklung.

Gleichberechtigung.

Und je mehr ich lernte, desto häufiger musste ich auch das hinterfragen, was für mich lange „normal“ gewesen war.

Nicht alles, was Generationen vor uns gemacht haben, war falsch.

Aber Tradition allein macht etwas auch nicht richtig.

Gleichberechtigung beginnt nicht beim Geschirrspüler

Aktive Vaterschaft bedeutet für mich außerdem nicht, meiner Frau „zu helfen“.

Es sind meine Kinder.

Es ist unser Haushalt.

Es ist unsere Familie.

Deshalb geht es nicht darum, Aufgaben möglichst gerecht auf einer Excel-Tabelle aufzuteilen.

Es geht darum, Verantwortung gemeinsam zu tragen.

Auch die unsichtbare.

Zu wissen, was die Kinder brauchen.

Termine im Kopf zu haben.

Kleidung zu organisieren.

Nächte zu begleiten.

Entscheidungen gemeinsam zu treffen.

Und die eigene berufliche Laufbahn nicht automatisch als wichtiger zu betrachten.

Gerade dieser letzte Punkt hat mein Leben ziemlich verändert.

Präsenz hat einen Preis

Mehr Zeit mit Kindern klingt romantisch.

Ist es manchmal auch.

Manchmal ist es aber einfach nur verdammt anstrengend.

Präsente Vaterschaft kostet Zeit.

Karrieremöglichkeiten.

Geld.

Nerven.

Und gelegentlich den letzten warmen Kaffee des Tages.

Ich möchte auf Papakann deshalb kein idealisiertes Bild von Familie zeichnen.

Ich möchte auch nicht behaupten, dass jeder Vater sein Leben genauso organisieren kann oder soll wie ich.

Aber ich möchte eine Frage stellen:

Wie viel Platz bekommt Vaterschaft tatsächlich in deinem Leben?

Nicht in deinen Absichten.

Nicht in deinen Werten.

Sondern in deinem Kalender.

Deshalb gibt es Papakann

Papakann soll kein Ort für perfekte Väter sein.

Und schon gar keiner, an dem ich anderen Männern erkläre, wie sie ihre Kinder begleiten müssen.

Ich möchte teilen, was ich selbst lerne.

Was funktioniert.

Was nicht funktioniert.

Was Wissenschaft über Kinder weiß.

Was Montessori uns über Selbstständigkeit lehren kann.

Warum weniger Besitz manchmal mehr Familienleben ermöglicht.

Wie wir als Familie unterwegs sind.

Und warum Gleichberechtigung für mich nicht bei politischen Forderungen endet, sondern morgens zuhause beginnt.

Vielleicht sind wir bei manchen Dingen unterschiedlicher Meinung.

Das ist gut so.

Denn Papakann soll nicht Recht haben.

Papakann soll zum Nachdenken bringen.

Über unsere Kinder.

Unsere Partnerschaften.

Unsere Rollenbilder.

Und darüber, welche Väter wir einmal gewesen sein möchten.

Ich weiß jedenfalls, welchen Satz ich eines Tages gerne hören würde:

„Mein Papa war da.“

Nicht immer.

Nicht perfekt.

Aber dann, wenn es darauf ankam.

Papa. Fürs Leben da.

Wie möchtest du, dass deine Kinder später deine Rolle als Papa beschreiben?

Quellen & Weiterlesen

UNICEF – Die Beziehung zwischen Vater und Kind
UNICEF beschreibt, dass die Vater-Kind-Bindung vor allem durch die Präsenz des Vaters im täglichen Leben des Kindes entsteht.
American Psychological Association – Die Rolle moderner Väter
Die APA fasst Forschung zusammen, wonach Zuneigung und aktive Beteiligung von Vätern die soziale und emotionale Entwicklung von Kindern unterstützen.

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